Von Dr. med. Carsten Schröter
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Informationen zu Symptomen und Ursachen des Post-Polio-Syndroms
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Sie auf unserer Internet-Seite: www.pps-post-polio-syndrom.de
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Therapieproblem Übergewicht - Welche Bedeutung hat Übergewicht beim Post-Polio-Syndrom?
Generell ist Übergewicht das häufigste Ernährungsproblem in den
Industrienationen. Für Gewichtsreduktionsprogramme und Diätkost werden große
Summen ausgegeben. Dennoch ist die Behandlung in Hinsicht auf eine
längerfristige Minderung des Körpergewichts immer noch wenig effektiv. 90 bis 95
% der Menschen, die zur Verminderung von Übergewicht fasten, nehmen im Verlauf
wieder zu. Wegen seiner schwerwiegenden Folgen ist Übergewicht aber als eine
chronische Krankheit anzusehen, die eine lebenslange Behandlung erfordert.
Die Beurteilung des
Ernährungszustandes bei Patienten mit Post-Polio-Syndrom ist wichtig wegen der
Konsequenzen auf die motorischen Funktionen, die Lebensqualität und sogar die
Lebenserwartung. Denn wie auch bei anderen Menschen ist bei übergewichtigen
Patienten mit Post-Polio-Syndrom das Risiko, einen Herzinfarkt oder einen
Schlaganfall zu erleiden, erhöht. Bluthochdruck und Diabetes mellitus, die
Zuckerkrankheit, wie auch Fettstoffwechselstörungen oder das
Schlaf-Apnoe-Syndrom sind typische Folgen von Übergewicht.
Liegt Übergewicht bei
einem Post-Polio-Patienten vor, so hat er neben den genannten Problemen
natürlich auch mehr Gewicht zu bewegen. Das Post-Polio-Syndrom ist meist schon
mit einer vermehrten Belastung des Bewegungsapparates verbunden. Gut ausgeprägte
Muskulatur stabilisiert die Führung der Gelenke und vermindert das
Risiko einer Fehlbelastung. Im Bereich der Wirbelsäule wird den Wirbelkörpern
und Bandscheiben ein wesentlicher Teil des Gewichts durch die Muskulatur
abgenommen. Ist die Muskulatur aber geschwächt, wie beim Post-Polio-Syndrom,
können hieraus vorzeitiger Gelenkverschleiß, die Arthrose, oder Verkrümmungen
der Wirbelsäule, die Skoliose, resultieren. Schmerzen an Gelenken und im Rücken
sind die Folge. Übergewicht erhöht nun
zusätzlich die Belastung des Bewegungsapparates. Die Muskeln
müssen mehr leisten, um das Übergewicht zu kompensieren, können es aber nicht
durch die bereits bestehende Schwäche. Daraus folgen vermehrte Schmerzen und
Verspannungen der Muskulatur, und durch die Schmerzen nimmt wiederum die
Belastbarkeit der Muskulatur weiter ab. Die Ausdauer reduziert sich weiter,
Erschöpfung tritt früher auf. Nerven und Muskulatur arbeiten durch die Folgen
der Polio oft bereits über die Belastungsgrenze hinaus. Durch Übergewicht wird
das System noch mehr belastet
als eigentlich notwendig, die oben beschriebenen Belastungen der Gelenke und der
Wirbelsäule werden noch verstärkt.
Ein wichtiges Thema ist in
diesem Zusammenhang auch die Atmung. Bei Patienten mit
Poliomyelitis-Restzuständen oder Post-Polio-Syndrom kann die Atmung
beeinträchtigt sein. Die Vitalkapazität, das bei stärkster Ein- und Ausatmung in
der Lunge bewegte Luftvolumen, ist in diesen Fällen vermindert. Ursache ist die
Schwäche der Atemmuskulatur. Ebenso ist das Abhusten von Sekreten dann
erschwert. Es ist gut belegt, dass Übergewicht bei Patienten mit neuromuskulären
Erkrankungen und resultierender Einschränkung der Atemfunktion die
Gesamtsituation verschlechtert. Sowohl ausreichende Atembewegungen wie auch das
Abhusten der Sekrete werden durch Übergewicht erschwert. Besonders in der Nacht
kann es zur Hypoventilation kommen, zur Verminderung der Atemfunktion. Dadurch
sinkt der Sauerstoff-Partialdruck im Blut ab, es kommt zu einer Weckreaktion,
das heißt, der Patient kommt in einen flacheren Schlaf, die Atmung wird wieder
stärker, der Sauerstoffgehalt im Blut nimmt zu, der Patient schläft wieder
tiefer ein, und der Zyklus beginnt erneut. Tiefe Schlafstadien werden nicht
erreicht. Der Schlaf ist wenig erholsam, die Patienten erwachen morgens wie
gerädert, oft mit Kopfschmerzen und sind vermindert leistungsfähig. Vermehrte
Tagesmüdigkeit ist die Folge. Eine ähnliche Symptomatik kann – allerdings auf
dem Boden einer anderen Ursache – besonders bei Übergewicht auch bei Personen
mit intakter Lungenfunktion auftreten, das sogenannte Schlaf-Apnoe-Syndrom.
Sowohl bei der nächtlichen Hypoventilation wie auch beim Schlaf-Apnoe-Syndrom
würde eine Gewichtsabnahme angestrebt und je nach Ausmaß der nächtlichen
Atemfunktionsstörung evtl. eine nächtliche Heimbeatmung über eine Maske
eingeleitet. Durch die verminderte Fähigkeit, Bronchialsekrete abzuhusten kann
es vermehrt zu Infekten und auch zu erschwerter Atmung kommen.
Therapieproblem Übergewicht -
Wann aber beginnt das
Übergewicht? Wie kann es festgestellt werden?
Zur Beurteilung des
Übergewichts wird oft der sogenannte
Body-Mass-Index
(BMI),
(siehe Kasten 1) herangezogen. Er errechnet sich aus dem Gewicht und dem
Quadrat der Größe einer Person. Er wurde in großen Ernährungsstudien eingesetzt,
ist einfach und schnell zu berechnen und zu beurteilen. Er korreliert zudem gut
mit Übergewicht.
Kasten 1:
Body-Mass-Index
(BMI)
|
BMI = Körpergewicht (kg) / Quadrat der
Körpergröße (m2)
Beispiel: Körpergewicht: 80 kg,
Körpergröße: 1,80 m,
BMI = 80 kg / (1,8
m) 2 = 24,7 kg / m2 |
Die
Normwerte für
den BMI sind vom Alter abhängig (Tab. 1):
|
Alter |
BMI |
|
19-24 Jahre |
19-24 |
|
25-34 Jahre |
20-25 |
|
35-44 Jahre |
21-26 |
|
45-54 Jahre |
22-27 |
|
55-64 Jahre |
23-28 |
|
>64 Jahre |
24-29 |
Entsprechend des
Geschlechts wird folgende Einteilung des BMI vorgenommen (Tab. 2)
Klassifikation
|
m |
w |
|
Untergewicht |
<20 |
<19 |
|
Normalgewicht |
20-25 |
19-24 |
|
Übergewicht |
25-30 |
24-30 |
|
Adipositas |
30-40 |
30-40 |
|
massive
Adipositas |
>40 |
>40 |
Da neben dem Ausmaß des
Übergewichts das Muster der Fettverteilung das Gesundheitsrisiko
bestimmt, reicht der BMI alleine nicht aus.
Mit der sogenannten abdominalen/viszeralen
Adipositas ist die typische männliche Körperfettverteilung gemeint. Sie wird oft
als „Bierbauch“ bezeichnet und birgt ein höheres
Herz-Kreislauf-Erkrankungsrisiko als die typisch weibliche Körperfettverteilung,
die sogenannte gluteo-femorale Fettansammlung, also die vorwiegende Verteilung
an Gesäß und Oberschenkel. Die typisch
männliche Körperfettverteilung geht wesentlich häufiger mit ungünstigen
Blutfettwerten mit einer Erhöhung der Triglyzeride (Neutralfette) und einer
Absenkung des „guten“ HDL-Cholesterins im Blut, beides Risikofaktoren für
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
wie Herzinfarkt und Schlaganfall, einher. Auch Bluthochdruck und Alterszucker
treten bei einer typisch männlichen Körperfettverteilung häufiger auf.
Für die Bestimmung der Körperfettverteilung eignet sich der
Taillen-Hüftumfang-Quotient, die sogenannte Waist-to-Hip Ratio (WHR), am
besten. Die Messungen des Taillenumfangs erfolgt im Stehen zwischen der
untersten Rippe und dem Beckenkamm an der schmalsten Stelle der Taille, die
Messung des Hüftumfangs an der weitesten Stelle um das Gesäß herum. Ein
erhöhtes Gesundheitsrisiko ist bei Frauen bei einer WHR von mehr als 0,85 und
für Männer bei einer WHR von über 1 anzunehmen.
Schon die alleinige Messung des
Taillenumfanges gibt Hinweise auf mögliche gesundheitliche Risiken. Das
Risiko beginnt bei Männern bei 94 Zentimeter Taillenumfang und wird über 102 cm
als gefährdend angesehen, bei Frauen gilt ein Wert von über 80 cm als ungünstig
und über 88 cm als gesundheitlich gefährlich.
Um die Fettmenge des Körpers zu erfassen sind mehrere Wege beschritten worden.
Durch die Messung der Dicke von Hautfalten in mehreren Körperregionen
sollte die Gesamtfettmenge abgeschätzt werden. Obwohl beispielsweise an zehn
Stellen die Fettschicht der Haut gemessen und daraus das Gesamtfett errechnet
wird, ist die Methode ungenau. Wegen der hohen Fehlerquote wird sie bei
Erwachsenen nur noch selten angewendet.
Wieder andere Methoden
sind sehr genau, aber sehr aufwändig, zum Beispiel existiert hierfür ein
spezielles Röntgenverfahren.
Dagegen werden sogenannte
Fettwaagen im Alltag häufig eingesetzt. Sie beruhen auf einer
bioelektrischen Impedanzanalyse. Hier wird ein schwacher Strom durch den Körper
geleitet. Im wasser- und elektrolytreichen Muskel wird er besser geleitet als im
Fettgewebe. Allerdings schwankt der Wasseranteil des Körpers stündlich und somit
auch das Messergebnis. Je nachdem, ob jemand viel oder wenig getrunken hat, die
Blase gefüllt oder leer ist, man vor oder nach dem Sport die Untersuchung
durchführt, sind die angezeigten Ergebnisse verschieden. Auch ist das Ergebnis von Gerät zu Gerät unterschiedlich. Zur
Beurteilung eines Fettverlustes unter einer Behandlung kann die Messung aber
durchaus mit herangezogen werden.
Der BMI und das Verhältnis
von Hüft- und Taillenumfang sind also einfache Messwerte, die ohne viel Aufwand
Hinweise zu Ausmaß und Bedeutung des Übergewichts geben.
Therapieproblem Übergewicht -
Was ist bei Personen
mit Post-Polio-Syndrom bei der Beurteilung des Übergewichts zu bedenken?
Bei Patienten mit
Post-Polio-Syndrom ist der BMI zum Teil nur eingeschränkt einzusetzen. Er
kann nämlich nicht zwischen hohem Gewicht als Folge von vermehrter Fettmasse
oder vermehrter Flüssigkeitseinlagerung (Ödem) einerseits und kräftig
ausgeprägter Muskulatur andererseits unterscheiden. Die Abnahme der Muskelmasse
kann verschleiern, dass vermehrt Fettgewebe vorliegt, also eigentlich
Übergewicht besteht. Der BMI kann schließlich nicht das Verhältnis von Fett und
Muskelmasse wiedergeben. Das Verhältnis von Hüft- und Taillenumfang kann
da eine bessere Beurteilung zulassen, vorausgesetzt, dass keine
Lähmung der Bauchmuskulatur vorliegt. Die Anspannung der Bauchmuskulatur kann
normalerweise festgestellt werden in Form einer seitengleichen Verhärtung der
Bauchwand. Ist auf einer oder sogar beiden Seiten diese Anspannung nicht zu
sehen oder durch das Bauchfettgewebe zu tasten, so kann auch eine Schwäche der
Bauchmuskeln vorliegen. In diesen Fällen ist der Bauch in der Regel ausladend,
ohne dass übermäßiges Fettgewebe vorhanden sein muss. In diesen speziellen
Fällen ist das Verhältnis von Hüft- und Taillenumfang nicht hilfreich, in allen anderen Fällen ist es nutzbar.
Therapieproblem Übergewicht -
Wie kommt es zum
Übergewicht?
Wird dem Körper regelmäßig mehr Energie zugeführt als notwendig, kommt
es zur Gewichtszunahme. Es geht einfach um die Bilanz bezüglich der Zufuhr und
dem Verbrauch von Energie. Hier sind es die regelmäßigen Mahlzeiten, über die
ein wichtiger Anteil der Kalorien dem Körper zugeführt wird. Entsprechend kann
durch fettreiche und hochkalorische Ernährung Übergewicht beigeführt werden.
Aber auch Gewohnheiten wie das regelmäßige Knabbern der Nüsschen vor dem
Fernseher können dazu führen, dass sich die Pfunde auf den Hüften oder am Bauch
niederschlagen. Viele Kalorien bringt auch Alkohol. Nicht zufällig wird auch vom
„Bierbauch“ gesprochen. Auch dabei sind es wieder Gewohnheiten, das Trinken des
abendlichen Biers, die zum Problem führen. Versteckte Kalorien sind in den
Fruchtsäften zu finden. Gewohnheiten mit dem Ergebnis der Gewichtsvermehrung
spielen im Alltag vieler Menschen eine Rolle. Im letzten Jahr war es den
Zeitungen zum Beispiel eine Meldung wert, dass der US-Schauspieler Tom Hanks
seine Gewohnheit, täglich Milchkaffee zu trinken, beendet hat, weil er dadurch
übergewichtig geworden ist.
Nikotinverzicht
nach längerer Zeit des Rauchens, aber auch
der Einsatz von bestimmten Medikamenten können zu Übergewicht führen. Das soll natürlich nicht davon abhalten, das Rauchen
einzustellen. Durch Nikotin wird der Grundumsatz erhöht, fällt es weg, werden
weniger Kalorien darüber verbraucht. Zudem suchen wir nach einer
Ersatzgewohnheit, und das kann das Essen sein. Mit diesen Problemen sollten wir
uns frühzeitig beschäftigen, wenn wir das Rauchen einstellen wollen.
Unter den Medikamenten
führen besonders bestimmte Antidepressiva oft zur Gewichtszunahme. Wenn der
Einsatz notwendig ist, müssen sie trotzdem eingesetzt werden. Man sollte aber auch in diesen Fällen mit dem betreuenden Arzt
besprechen, ob nicht auch ein Präparat eingesetzt werden kann, bei dem die
Gefahr der Gewichtszunahme geringer ist.
Therapieproblem Übergewicht -
Nulldiät? Was geschieht beim Fasten?
Bei der Anpassung des Stoffwechsels an das
Fasten können 3 Phasen unterschieden werden: Frühzeitig wird der Verbrauch von
Traubenzucker durch Muskulatur und Fettgewebe blockiert. Der Bedarf des
Zentralnervensystems, also Gehirn und Rückenmark, von etwa 140 Gramm pro Tag
wird kurzfristig durch Glykogen und mittelfristig durch Neubildung von
Traubenzucker gedeckt. Nach einer Fastenzeit von etwa 40 Stunden werden über 90%
der Glukose in der Leber neu gebildet. Die tägliche Glukosebildung beträgt etwa
180 Gramm. Um diese Menge zu bilden, werden etwa 75 Gramm Muskeleiweiß abgebaut.
Auch wenn es sich beim Post-Polio-Syndrom nicht primär um eine Erkrankung des
Muskels handelt, ist es ungünstig, wenn Muskelgewebe beim Fasten abgebaut wird.
Denn anschließend ist es schwer, dies wieder durch Training aufzubauen. Fasten,
Diäten mit dem Ziel einer schnellen Gewichtsabnahme, sind für Patienten mit
einem Post-Polio-Syndrom grundsätzlich
nicht zu empfehlen.
Hier müssen also andere Wege gesucht werden. Generell werden derartige
„Abmagerungskuren“ auch heute nicht mehr empfohlen. Schließlich macht der
„Jojo-Effekt“ die erzielte Gewichtsabnahme schnell wieder wett.
Therapieproblem Übergewicht -
Es gibt kein
Patentrezept
Für die richtige Kost zum
Abnehmen gibt es kein Patentrezept. Von einigen Autoren wird eine kalorienreiche
fettarme Diät empfohlen. In Untersuchungen konnte aber kein überzeugender
Vorteil gegenüber allgemeinen kalorienreduzierten Diäten gesehen werden, wie
kürzlich in der renommierten Cochrane-Library zusammengefasst wurde. Ob also
einer fettarmen oder einer allgemein kalorienreduzierten Diät der Vorzug gegeben werden
soll, ist nach heutiger Datenlage offen. In den Leitlinien der Deutschen
Adipositas-Gesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Ernährung wird
grundsätzlich eine Reduktion der Nahrungsfette empfohlen. In diesen Leitlinien
wird weiter für das Gewichtsmanagement eine ausgewogene Mischkost, d.h.
fettmoderat, stärkebetont, ballaststoffreich und mit mäßigem kalorischen
Defizit, also in einer Gesamtenergiemenge von 1200 - 2000 kcal pro Tag, je nach
Ausgangsgewicht, Geschlecht und Alter vorgeschlagen. Durch eine Verringerung der
Fettaufnahme auf ca. 60 Gramm pro Tag bei nicht begrenztem Verzehr von
Kohlenhydraten lässt sich ebenfalls ein Energiedefizit erreichen. Auch wird in
den Leitlinien darauf hingewiesen, dass alleinige Fettreduktion geeignet ist, um
nach einer Phase der Gewichtsreduktion das Gewicht zu halten.
Eiweißreiche Kostformen
sind eine weitere Möglichkeit, um das Körpergewicht kurzfristig zu senken. Im
Rahmen von Gewichtsreduktionsprogrammen werden damit Auswahlmöglichkeiten von
Speisen verbessert. Dadurch fällt es auch leichter
Diäten durchzuhalten. Es ist aber insbesondere als Patient mit
Post-Polio-Syndrom wichtig, auf eine genügende Eiweißzufuhr zu achten, damit die
Muskelmasse und damit auch Kraft und Grundumsatz erhalten bleiben. Das gelingt
weitgehend mit 50 bis 60 Gramm biologisch hochwertigem Eiweiß pro Tag. Auf
dieser Basis muss die Energieaufnahme soweit eingeschränkt werden, dass der
Körper sich vom eigenen Fett ernährt. Auch auf genügende Zufuhr von Vitaminen
und Mineralstoffen ist dabei zu achten.
Empfohlen wird, bei der
Ernährung auf folgende Bedingungen zu achten:
Ø
Kalorienreduziert
Ø
Fettarm
Ø
Salzreduziert
Ø
Ausgewogen in der
Nährstoffrelation
o
50 – 55 Energie% Kohlenhydrate
o
25 – 30 Energie% Fett
o
15 – 20 Energie% Eiweiß
Ø
reich an Ballaststoffen
Die sogenannte Ernährungspyramide hat sich in den letzten Jahren geändert.
Bisher stellten Brot, Getreide, Reis, Nudeln und Kartoffeln die breite Basis der Pyramide dar. Das wies darauf hin, dass von diesen Nahrungsmitteln die
größte Menge zu sich genommen werden sollte. Erst darüber folgten Obst und
Gemüse. Heute werden Obst und Gemüse als die Basis angenommen. Erst darüber,
also in kleineren Mengen werden die Kohlenhydrate empfohlen. Darüber folgen dann
Milchprodukte, Geflügel, Fisch und Eier. Nüsse, Süßwaren, Fette und Öle stellen
nach wie vor die Spitze dar, sie sollten nur in kleinen Mengen genossen werden.




Die Ernährung sollte im Regelfall keinesfalls weniger als 1200 kcal/Tag
beinhalten und in drei Mahlzeiten aufgeteilt sein. Dabei sollte auf eine
Einschränkung der Energiezufuhr sowohl im Bereich der Getränke (Alkoholika,
gezuckerte Säfte und Limonaden) wie auch auf versteckte Kalorien in
Fast-Food-Produkten, Wurstwaren, fettreichen Käsesorten und Backwaren geachtet
werden.
Ballaststoffe sind
Pflanzenfasern, die gut sättigen, nicht verdaut werden können und für eine
schnellere Passage der Nahrung durch den Darm sorgen. Dadurch normalisieren
Ballaststoffe die Darmtätigkeit und regeln die Verdauung. Ballaststoffe sind vor
allem in Vollkornprodukten und Gemüse enthalten. Sie erleichtern die
Gewichtsabnahme erheblich.
Keinesfalls sollte eine tägliche Kalorienberechnung erfolgen,
die Steuerung der Energiezufuhr sollte zweckmäßigerweise nach der Entwicklung
des wöchentlich zu kontrollierenden Körpergewichts erfolgen. Dieses ist
Gradmesser des Diäterfolges und zugleich Maß für eventuell notwendige Änderungen
des Speiseplans.
Wenn das gewünschte Gewicht erreicht wurde,
erfolgt kontrolliert durch den einmal wöchentlichen Gang auf die Waage der
Aufbau der Dauerkost. Die bis dahin genutzte Reduktionskost wird in Ihren
wesentlichen Bestandteilen beibehalten und je nach Wunsch schrittweise ergänzt,
ohne dass eine Gewichtszunahme toleriert wird. Ziel ist grundsätzlich eine
bedarfsgerechte im Nährstoff- und Ballaststoffgehalt ausgeglichene, vielseitige
und abwechslungsreiche Kost, die eine dauerhafte Stabilisierung der erreichten
Gewichtsabnahme ermöglicht.
Ergänzend ist zu betonen, dass der
Körper viel Flüssigkeit benötigt. Allgemein wird empfohlen, regelmäßig über den
Tag verteilt ungefähr 1,5 bis 2 Liter zu trinken. Geeignet sind dabei vor allem
Flüssigkeiten, die dem Körper keine unnötige Energie liefern. Dazu gehören
Wasser und ungezuckerte Getränke. Alkoholische Getränke sollten nur gering
genossen und nicht als Durstlöscher verwendet werden. Es ist auch wichtig, zu
beachten, dass bei körperlicher Aktivität ein deutlich erhöhter
Flüssigkeitsbedarf besteht. Speziell ist bei
einer geplanten Gewichtsabnahme auch eine ausreichende Trinkmenge von wenigstens
2 Liter Flüssigkeit pro Tag zu berücksichtigen.
In unserer Klinik
legen wir Wert auf
eine ausgeglichene vielseitige Ernährung. Dabei soll gerade beim Post-Polio-Syndrom die Diät auch mit dem Ziel der
Gewichtsabnahme keinesfalls weniger als 1200 kcal/Tag beinhalten. Wir achten auf
reichlich Ballaststoffe, also
Pflanzenfasern, die gut sättigen, nicht verdaut werden können und für eine
schnellere Passage der Nahrung durch den Darm sorgen. Insbesondere unsere
Salatbar wie auch der hohe Anteil von Vollkornprodukten, Gemüse und Obst sind
hierfür eine wichtige Grundlage. 60 bis 80 Gramm Eiweiß pro Tag sind in der
Ernährung enthalten. Sinnvolle Kombinationen sind für eine in Hinsicht auf das
Eiweiß ausgeglichene Diät zu erreichen Kombinationen von Kartoffel und Ei,
Getreide- und Milchprodukte, Hülsenfrüchte und mageres Fleisch. Natürlich wird
bei der Reduktionskost auch genau auf genügend Mineralien und Vitamine geachtet.
Es erfolgen Beratungen und
Schulungen durch unsere Diät-Assistentinnen, um nicht nur eine kurzfristig
wirksame Diät zu erreichen, sondern eine Ernährungsumstellung anzuregen.
Therapieproblem Übergewicht -
Sport und Bewegung
Sport und Bewegung stellen
langfristig einen wichtigen Baustein zur Gewichtsreduktion und
-stabilisierung dar.
Kurzfristig können die
Intensivierung von Sport oder Bewegung aber nur unwesentlich zur Gewichtsabnahme
beitragen. Der Energieverbrauch der Skelettmuskulatur ist niedrig. Weil das
regelmäßige Training den Abbau von Muskelmasse vermindert, ist es zur
langfristigen Gewichtsabnahme und zur Kontrolle eines gleich
bleibenden Gewichtes dennoch wichtig. Gerade bei der geplanten
Gewichtsabnahme sollte auf genügend Bewegung geachtet werden.
Therapieproblem Übergewicht -
Was bewirkt Sport?
Das Post-Polio-Syndrom
schränkt die Bewegungsfähigkeit und damit die Möglichkeit, Kalorien zu
verbrennen, ein. Dennoch ist je nach den individuellen Voraussetzungen
durch Bewegung auch beim Post-Polio-Syndrom nachgewiesenermaßen ein günstiger
Effekt zu erzielen.
Ausdauersport führt zur
Zunahme verschiedener Hormone wie Wachstumshormon, Adrenalin und Noradrenalin.
Diese Hormone mobilisieren die Freisetzung von Fett aus den Fettdepots und
tragen zu einer größeren Aktivität des Enzyms Lipase bei, das Triglyzeride in
freie Fettsäuren umwandelt. Freie Fettsäuren sind eine wichtige Energiequelle
für die aerobe Energiegewinnung, die besonders bei Ausdauersport dominiert.
Eine bereits im Jahre 1985
durchgeführte Studie zur Bedeutung von Sport für den Erhalt fettfreier
Körpermasse untersuchte eine Gruppe übergewichtiger Männer, die sich einer
kalorienreduzierten Diät unterzogen. Nur die Hälfte der untersuchten Personen
führte zusätzlich zur Diät drei Trainingseinheiten pro Woche in Form von Walking
oder Laufen über insgesamt acht Wochen durch. Am Ende des
Untersuchungszeitraumes hatten beide Gruppen ähnlich viel abgenommen, die Gruppe
mit Sport 11,8 kg, die Gruppe ohne Sport 9,2 kg. Der Körperfettanteil am
Gewichtsverlust war aber mit Sport mit 11,2 kg wesentlich höher als ohne Sport
mit 5,9 kg. Zwar waren die Untersuchungen an übergewichtigen Gesunden
durchgeführt worden, aber bei Patienten mit Post-Polio-Syndrom sind ähnliche
Effekte zu erwarten.
Ein weiterer Grund für
Sport zur Gewichtsreduktion oder -stabilisierung ist die günstige
Auswirkung erhöhter körperlicher Aktivität auf den Grundumsatz. Es ist seit
längerem bekannt, dass bei reiner Kalorienbeschränkung die Geschwindigkeit der
Gewichtsabnahme über die Zeit abnimmt, d. h. man nimmt immer weniger ab. Der
Grund hierfür liegt in einer erniedrigten Grundumsatzrate, die die Anpassung des
Stoffwechsels auf die verminderte Kalorienzufuhr darstellt. Es gibt
Untersuchungsergebnisse, die darauf hinweisen, dass Sport diesem Absinken der
Grundumsatzrate unter Reduktionsdiät entgegenwirken und sogar zu einer Zunahme
dieser Rate führen kann. Mit anderen Worten: die durch eine reduzierte Kalorienzufuhr
erniedrigte Grundumsatzrate kann durch Sport also wieder erhöht werden.
Therapieproblem Übergewicht -
Welcher Sport ist bei einem Post-Polio-Syndrom geeignet?
Welcher Sport in welcher
Intensität durchgeführt werden kann, hängt vom individuellen Zustand der
Erkrankung beim einzelnen Patienten ab.
Welche
Sportarten
können besonders hinsichtlich der Gewichtsreduktion empfohlen werden? Um einen
optimalen Effekt zu erzielen, sollten folgende Gesichtspunkte berücksichtigt
werden:
Ø Keine zu hohen motorischen
Voraussetzungen.
Ø Weder das Herz-Kreislauf-System
noch der Bewegungs- und Stützapparat dürfen zu intensiv beansprucht werden.
Ø Der Sport muss Freude an
körperlicher Aktivität schaffen und Erfolgserlebnisse vermitteln, um langfristig
zu körperlicher Aktivität zu motivieren.
Als besonders geeignete
Sportarten gelten:
Ø Walking
Ø Radfahren
Ø Schwimmen
Ø Skilanglauf
Ø Gymnastik
Ø Aerobic
Ø Wandern
Welche Sportart sich bei
Ihnen besonders anbietet und mit welcher Belastung sie durchgeführt werden kann,
sollte mit dem behandelnden Arzt besprochen werden, um eine
Über- und
Fehlbelastung zu vermeiden.
Abhängig vom Ausmaß, in
dem bei einem individuellen Patienten mit Post-Polio-Syndrom ein Ausdauersport
möglich ist, trägt dies also zur Minderung des Übergewichts und Stabilisierung
des Gewichts bei.
Therapieproblem Übergewicht -
Wie schnell soll wie
viel Gewicht abgenommen werden?
In der Regel wird
bei PPS-Patienten eine Gewichtsabnahme von 5 bis 10% des Ausgangsgewichtes in
den ersten 6 bis 12 Monaten empfohlen. Die Abnahme braucht beim Erwachsenen
nicht mehr als 0,5 bis 0,75 kg pro Woche betragen. Das Befinden und die
körperliche Leistungsfähigkeit werden in diesem Rahmen nicht wesentlich
beeinträchtigt. Es gibt schließlich nur sehr selten einen zwingenden Grund, die
Risiken einer übermäßig schnellen und damit auch meist nicht lange anhaltenden
Gewichtsabnahme auf sich zu nehmen. Ausmaß der Gewichtsabnahme und das „Wie?“
sollten mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.
Therapieproblem Übergewicht -
Verhaltensänderungen
Unsere täglichen
Gewohnheiten spielen eine große Rolle bei dem Ziel, ein günstiges Gewicht
anzustreben und zu halten. Denn unsere Gewohnheiten geben uns im Alltag
Sicherheit, von ihnen weichen wir nur ungern ab.
Seinen Teller immer leer zu essen, ist ein
Beispiel einer solchen Gewohnheit, die viele von uns in der Kindheit lernen
mussten und die wir auch als Erwachsene beherzigen. Überlegen Sie für sich,
welche Gewohnheiten Ihren Bestrebungen zur Gewichtskontrolle entgegenstehen.
Dies können die Nüsschen und Chips vor dem Fernseher, das regelmäßige Bier am
Abend, der häufige Besuch im Fast-Food-Restaurant oder der Schokoriegel statt
Pausenbrot sein.
Alkohol vermindert die Fettverbrennung.
Personen mit einem hohen Alkoholkonsum nehmen nicht nur deshalb an Gewicht zu,
weil Alkohol einen hohen Energiegehalt hat (1 g = 7 kcal), sondern weil Alkohol
zudem eine Verschiebung zur Kohlenhydratverbrennung hin bewirkt. Zur
Ernährungsumstellung bei Gewichtsreduktion gehört daher auch oft eine
Verminderung des Alkoholkonsums.
Therapieproblem Übergewicht -
Medikamente zum Abnehmen?
Medikamente
können im Einzelfall zum Einsatz kommen. Hier sind Orlistat und Sibutramin zu
nennen. Für beide Medikamente konnte gezeigt werden, dass sie in der Lage sind,
eine Gewichtsminderung zu unterstützen. Behandlungen mit beiden Medikamenten
wiesen aber hohe Abbruchraten auf. Sie sollten nur ausnahmsweise zum Einsatz
kommen, nur dann wenn andere Möglichkeiten sich bei ausgeprägtem Übergewicht
nicht als effektiv gezeigt haben.
Therapieproblem Übergewicht -
Zusammenfassung
Grundsätzlich sollte
gerade beim Post-Polio-Syndrom ein günstiges Körpergewicht angestrebt werden. Es
gibt kein Patentrezept. Fasten oder Diäten mit dem Ziel einer raschen
Gewichtsabnahme sind zu vermeiden. Gerade beim Post-Polio-Syndrom ist eine
Verminderung von Muskelmasse, Kraft und Ausdauer zu erwarten. Auch der
Jojo-Effekt spricht gegen eine solche Diät. Die langsame Reduktion des
Körpergewichts mit Verwendung einer bedarfsgerechten
im Nährstoff- und Ballaststoffgehalt ausgeglichenen, vielseitigen und
abwechslungsreichen Kost ist dagegen zu empfehlen. Die Kontrolle sollte nicht
über das tägliche Zählen der Kalorien, sondern das wöchentliche Wiegen erfolgen.
Je nach den individuellen
Möglichkeiten sollten genug Bewegung und Sport in den Alltag mit eingeflochten
werden. Die Gefahr des Abbau von Muskelmasse unter der Diät wird damit
gemindert, der Grundumsatz durch die Muskulatur aufrechterhalten. Vor allem
sollte auch mit ungünstigen Ernährungsgewohnheiten aufgeräumt werden.
Aus dem täglichen Kampf
mit "den Pfunden" kann so nach und nach ein stabiler und zufriedener Umgang mit Ernährung
und Körper erreicht werden.
Mit den besten Wünschen, insbesondere für Ihre
Gesundheit
Dr. med. Carsten Schröter
Chefarzt der Neurologischen
Abteilung der Klinik Hoher Meissner
Arzt für Neurologie
Physikalische Medizin, Rehabilitationswesen
Mitglied des wissenschaftlichen Beirates der Polio-Allianz e.V.
Weitere Medizinische Informationen
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Links für Patienten und Interessierte –
von
Amyotrophe Lateralsklerose bis zur
Therapie der spastischen Spinalparalyse
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Aktualisiert:
Juni 2010
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